Die EBSG schwärmt für fruchtige Sinnlichkeit

„Wer es schafft, der kernigen Frucht Herr zu werden, darf ihr exotisches Aroma kosten." 
Und wenn du das Weiderichgewächs, beziehungsweisen den Apfel mit den Kernen schon einmal bezwungen hast, weißt du, dass da ein wenig Übung dazu gehört. Hier kommen die besten Tipps für das Entkernen und die Verwendung eines Granatapfels.

Eine Frage der Methode

Ich hab festgestellt, dass das Herausklopfen der Kerne für mich die beste Methode ist damit es kein Massaker in der Küche gibt. Das bedeutet, ich rolle den Granatapfel zuerst wie eine Zitrone ein paar Mal hin und her damit sich die Kerne im Inneren der Frucht leichter lösen. Dann halbiere ich sie und halte sie verkehrt in ein hohes Gefäß. Spritzschutz! Mit dem schweren Griff eines großen Messers klopfe ich dann so lange auf die Fruchthälfte, bis alle Kerne in die Schüssel gefallen sind.
Du kannst, um ganz sicher vor herum spritzenden Farbklecksen zu sein, das Entkernen auch unter Wasser machen. Die eleganteste, vielleicht auch schwierigste Variante ist, vom Granatapfel den Blütenansatz zu entfernen und dann entlang der Membrane, kreuzweise die Frucht nach unten aufzuschneiden und dann aufzubrechen.
Egal für welche Art du dich entscheidest, ich empfehle dir in jedem Fall ein Arbeitsgewand, das ein paar Flecken verträgt, anzuziehen. Immerhin ist die Farbkraft so stark und nachhaltig, dass damit nach wie vor Orientteppiche gefärbt werden. Vielleicht magst du den Saft ja einmal statt Aquarellfarbe ausprobieren.

Biblische 613 Kerne

Wenn du das Entkernen erfolgreich hinter dich gebracht hast, sollten sich jetzt 613 Kerne in deiner Schüssel befinden. So erzählt es die Mythologie, die damit die 613 Gesetze im Alten Testament meint. Auch in der griechischen Mythologie und im christlichen Mittelalter spielt der Granatapfel immer wieder eine Rolle: als Speise der Götter oder als Symbol  von Herrschertugenden auf Wappen und Gemälden.
Du brauchst dir die Frucht nur anzusehen und du kannst erahnen, was gemeint ist. Alleine schon die prächtige, majestätische Farbe macht den Granatapfel zum Symbol für Fruchtbarkeit, Sinnlichkeit und Liebe. Und da er meiner Meinung nach auch wie ein Reichsapfel aussieht, steht ihm auch das Symbol für Macht und Reichtum ganz gut.

Vom Iran nach Österreich

Der Granatapfel kommt wahrscheinlich ursprünglich aus dem heutigen Iran. Aber es gibt auch bei uns schon einige GartenbesitzerInnen, die von ihrem kleinen Baum oder Strauch Früchte ernten können. Wenn du ein Plätzchen vor einer sonnigen Mauer auf durchlässiger Erde hast, ist der Granatapfel vielleicht auch bei dir gut aufgehoben.
Es kann zwar sein, dass nicht jedes Jahr alle Früchte ausreifen aber  die Pflanze ist hübsch, wächst als sommergrüner, kleiner Baum und wird oft als Strauch kultiviert. Außerdem kannst du halbreife Kerne, ähnlich wie grüne Tomaten zu einer süß-pikanten Sauce einkochen. Der Baum kann  eine Wuchshöhen bis zu 5 Metern und höher erreichen, kann bis zu 3 Meter breit werden und einige hundert Jahre alt.  Es gibt Laub abwerfende und immergrüne Sorten. Allein schon wegen der Blüten lohnt sich eine Pflanzung. Der Granatapfel blüht ab dem Frühling bis in den Frühsommer in  roter, oranger und seltener weißer Farbe. Es gibt auch teilweise fruchtbare „Zier-Granatäpfel“ mit rosa oder gelben Blüten. Hast du gewusst, dass der Granatapfel in Wirklichkeit eine Scheinfrucht ist? Tja, das Tarnen und Täuschen ist auch im Pflanzenreich bekannt. Die Fruchtgröße variiert zwischen 5 cm und 20 cm. Wenn du einen Rekord brechen möchtest, müssten deine Granatäpfel bis zu 1 kg pro Stück auf die Waage bringen.

Rot für Herz und Blut

Wenn es für dich eher um den gesundheitlichen Aspekt der Frucht geht und du keine Geduld zum Auslösen deiner Kernkraftwerke hast, kannst du dir auch den Saft im Reformhaus kaufen. Speziell für die kalte Jahreszeit kann ich dir Frucht und Saft sehr empfehlen. In der blutroten Frucht stecken mehr Antioxidantien, die als Radikalfänger gelten, als in Rotwein oder anderen roten Säften.
Die Liste seiner besonderen Inhaltsstoffe ist lang. Er kann den Blutdruck senken, ist gut für dein Gehirn, die Leber und den Darm, kann Entzündungen und Schmerzen lindern und allein schon seine herrlich rote Farbe deutet darauf hin, dass er ganz besonders Herz, Blut und Blutgefäße unterstützen kann. In den Wechseljahren unterstützt er den Ausgleich der Hormone und schenkt ein bisschen neue Lebenskraft.
Heilkräftige Inhaltsstoffe stecken sogar in den Schalen. Mit einem Aufguss aus den Fruchtschalen lassen sich Aphten und Racheninfektionen behandeln
Aber jetzt´s kommt´s! Stolperst du auch in allen Medien über Werbungen für Kollagenprodukte? Klar, Frau will ja ewig junge Haut, volles Haar, bewegliche Gelenke und so weiter. Für manche stellt sich bei allen diesen Produkten die Frage, ob das Kollagen in Shakes, Kapseln, …auch dort ankommt, wo es hin soll und ob körpereigenes Kollagen nicht doch besser wäre.  
Also ich kann dir auf jeden Fall den Granatapfel ans Herz legen, denn es ist erwiesen, dass er  die körpereigene Kollagen-Produktion mächtig ankurbeln kann.

Und zum Abschluss noch was für die Seele, den Gaumen und den süßen Zahn. Ein einfaches, fast schon vorweihnachtliches Dessert.
Verrühre  1 Becher Creme Fraiche mit ½ Becher Joghurt, gib einen Spritzer Orangensaft, geriebene Tonkabohne und Vanillemark dazu und hebe zum Schluss etwas geschlagenes Schlagobers darunter. Die Masse füllst du am besten ich in einen Spritzsack. Dann bröselst du  trockene Kekse oder etwas trockenere Kuchenreste in Gläser, gibst eine Schicht Granatapfelkerne darüber, spritzt dann eine Schicht Joghurtmasse darauf und füllst das Glas in dieser Form bis oben. Als Deko machen sich Zuckerstreusel oder noch einmal ein paar Granatapfelkerne hübsch.

Und für deine Auszeit in der Leseecke gibt´s noch den passenden, stärkenden Punsch dazu.

Vermische 1/8 Liter Granatapfelsaft mit jeweils 1/16 Hagebuttentee, Sanddornsaft und frischen Orangensaft und genieße dein Getränk heiß oder kalt.

Eine genussvolle Zeit wünschen Dir die Kräuterhexe und die EBSG!

Autor_in Martina Engel
Diesen Artikel brachte Ihnen Martina Engel

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